Seichtes Wasser, tiefer Abgrund.

Blüm: „Eigentlich können doch Christen nicht Antisemiten sein. Also der, an den ich glaube, Jesus, war ein Jude. Ich mein, insofern ist das Christentum doch auf dem Boden der jüdischen Kultur verwachsen. Das ist eigentlich, das, glaube ich, muss man stärker betonen, das muss auch in der Erziehung, dass wir doch sozusagen eine Heimat haben, kulturell-religiös eine Heimat haben. Und Jerusalem, das ist die Stadt, ich mein, das ist ja schon keine Stadt mehr, das ist die Stadt der drei großen monotheistischen Religionen.“

Kienzle: „Aber Christen waren die schlimmsten Antisemiten.“

Blüm: „Ja, gut. Ich will doch nur sagen, das widerspricht doch der Botschaft, die das Christentum hat. Und die stimmt doch mit dem überein, dass alle Menschen gleich sind und deshalb hab ich auch so große Hoffnungen auf den Staat Israel.“

--------------------

Friedman: „Wissen Sie, dass der Antisemitismus und der Rassismus in unserem Land viele Menschen bedroht, beleidigt und kränkt, tausende und abertausende davon betroffen sind, wenn solche Sätze fallen, dass deren Gefühlslagen zutiefst – als deutsche Staatsbürger – verletzt werden? Und wissen Sie, dass geistige Gewalt genauso viel Schmerz ausführen kann wie eine Ohrfeige? Zu glauben, dass man das Thema Rassismus und Antisemitismus ausloten kann, ein Thema, das wir nicht nur in Deutschland haben, aber auch und besonders in Deutschland, ist eine Verdrängung, die gesellschaftspolitisch gefährlich ist.“

Steinbach: „Aber wer spricht denn von unseren Verletzungen? Da meine ich mich selbst…“

Friedman: „Sie sind verletzt? Sie sind ein Opfer der Nazis?“

Steinbach: „Wer spricht von.. Gut, das ist natürlich.. das stecke ich weg, dass ich als Nazischwein oder so bezeichnet werde. Das was sie nicht veröffentlichen wollen, das kommt natürlich aus der anderen Ecke ganz genauso brutal. Aber wo liegen unsere Verletzungen? Unsere Verletzungen liegen darin, dass wir nach dem Dritten Reich bona fide versucht haben, eine neue Ordnung zu gründen, uns in die internationale Ordnung einzufädeln, ins Recht, in die Humanität, und jetzt erleben wir einen Staat, der sich über all das hinweg setzt, da liegt unsere Verletzung, und da liegt auch unser Protest. Und deswegen sagen wir, wir verbinden die Israel-Problematik, die Gaza-Problematik mit der Frage des Antisemitismus in Deutschland.“

Hart, aber fair